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Nachrichten aus dem Landesverband

Gotthilf Lorch

Trauer um Gotthilf Lorch

Wir trauern um unseren Tübinger Stadtrat und Sprecher der LAG Selbstbestimmte Behindertenpolitik Gotthilf Lorch, der am Montag, 20. Mai 2019 verstorben ist.

Unser lieber Freund und Genosse Gotthilf Lorch ist völlig unerwartet am Montag gestorben. Ein großer Verlust für Die Linke, für den Tübinger Gemeinderat und für alle, die sich für ein gleichberechtigtes Leben mit Behinderung eingesetzt haben. Inklusive Politik, dafür hat er gelebt, in beeindruckender Weise mit viel Humor und Lebensfreude. Er hat sich ein selbstbestimmtes Leben regelrecht erkämpft, dafür habe ich ihn immer bewundert. "Geht nicht", gab es bei ihm nicht. Trotz seiner durch die skrupellosen Machenschaften des Arzneimittelbetriebs Grünenthal GmbH verursachten Conterganschädigungen, reiste er durch die halbe Welt, organisierte Solidaritätsprojekte für Menschen mit Behinderung in Rumänien. Er kandidierte mehrfach für Die Linke bei Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen, immer dort, wo niemand antreten wollte, und fuhr dafür hunderte von Kilometer selbst in die Wahlkreise, mit einem rasanten Fahrstil, der mir nicht selten den Atem stocken ließ auf dem Beifahrersitz. Sein umgebauter Transporter erregte überall Aufsehen, wenn sich Gotthilf ganz elegant auf einer Ladefläche nach draußen heben ließ. Bei Parteitagen hatte er eine selbstgebastelte rote Holzhand am Stil dabei zum Abstimmen, weil er selbst keine Arme hatte. In der LAG Selbstbestimmte Behindertenpolitik war er einer der Motoren. Er machte auch mir Dampf, damit mein Wahlkreisbüro endlich barrierefrei wird! Nun konnte er es viel zu selten nützen.

Wir werden Gotthilf sehr vermissen. Viel zu früh ist er gestorben, die Folgen seiner Behinderungen haben ihn die letzten Jahre gesundheitlich sehr geplagt, Krankenhausaufenthalte, Operationen etc. Im Winter war er auf Teneriffa des Klimas wegen und es tat ihm gut, er kam erholt zurück. Das große Contergan-Verbrechen hat ihm nun auch seine Lebenszeit geraubt. Ciao Gotthilf!

Von Heike Hänsel MdB, 23. Mai 2019