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Lebensmittel-Vernichtung verhindern - Wirksame Strategien zur Vermeidung von Lebensmittel-Abfällen

Lebensmittel werden in großem Umfang vernichtet und verschwendet. Vom Acker bis zum Teller landet weltweit ein Drittel der erzeugten Nahrungsgüter auf dem Müll, in Deutschland sogar die Hälfte. In vielen armen Ländern entstehen die Verluste aus der alltäglichen Not heraus. Hierzulande ist die Lebensmittelverschwendung ein Problem des Überflusses. Statt einer bedarfsgerechten Lebensmittelerzeugung, die alle Menschen gleichermaßen erreicht, stehen wir einem wachstumsgetriebenen Markt gegenüber, der große Überschusse erzeugt und vernichtet. Strategien zur Vermeidung von Lebensmittelmüll müssen dieses Grundproblem aufgreifen.

Lebensmittelverschwendung fängt bei der Ernte oder Schlachtung an, wenn bereits große Mengen an Wasser, Energie, Dünger, Futter und Arbeitskraft in die Erzeugung geflossen sind. Was für unsere Ernährung bestimmt ist, sollte deshalb auch auf dem Teller landen. In der Landwirtschaft selbst sind die Verluste gering. Allerdings wird durch die Anforderungen der Lebensmittelindustrie und auf Druck des Handels wird bereits beim Bauer und im Großhandel umfänglich zu viel erzeugt, aussortiert und weggeworfen.

Eine Hauptursache für die Lebensmittelvernichtung ist im ruinösen Wettbewerb der Lebensmittelbranche zu suchen. Die Entwicklung findet ihren Ausdruck in einer „Discounter-Kultur“. Auffällig ist, dass die Lebensmittelvernichtung in dem Ausmaß zunimmt, in dem auch der Discounter-Handel und die Marktkonzentration auf wenige große Unternehmen zunehmen.

Die Lebensmittelbranche steht vor der Herausforderung, in einer schrumpfenden Gesellschaft weiteres Wachstum zu erzeugen. Eine Möglichkeit besteht darin, die Verbraucherinnen und Verbraucher zu unnötigen Käufen zu verleiten. Mit ausgefeiltem Marketing, aggressiver Werbung und geschickter Platzierung werden die Menschen in ihrem Einkaufsverhalten manipuliert. Ein großer Teil der Lebensmittelvernichtung, der scheinbar bei den Haushalten zustande kommt, hat seine Ursache deshalb im Handel sowie und bei der Lebensmittelindustrie.

Auch die Verbraucherinnen und Verbraucher haben ihren Anteil an der Lebensmittelvernichtung. Eine gute Einkaufsplanung und Zeit zum gemeinsamen Vorbereiten und Einnehmen der Mahlzeiten kommen oft zu kurz. Es lohnt sich auch für den Geldbeutel, aus Resten eine weitere Mahlzeit zuzubereiten. Im Durchschnitt kann ein Haushalt rund 20 Euro im Monat sparen, wenn alle eingekauften Lebensmittel auch verwertet werden.

DIE LINKE fordert deshalb ein Umdenken in der Lebensmittelbranche:


Erzeuger, Lebensmittelindustrie und Handel sollen ihre Lebensmittelverluste offenlegen und sich verpflichten, die Müllmenge bis 2020 zu halbieren. Die sozialen und ökologischen Bedingungen, unter denen Lebensmittel erzeugt und verarbeitet werden, sind offenzulegen.

Überteuerte Kleinverpackungen müssen dem Preis günstigerer Großformate angeglichen werden, um nicht zum Kauf überfüßiger Mengen zu verleiten. Bei Obst, Gemüse und Eiern, die einzeln verkauft werden können, sollte der Stückverkauf zur Pflicht werden.

Für Waren, die ihre Frische oder Haltbarkeit schnell verlieren, muss das Auffüllen der Regale rechtzeitig vor Ladenschluss eingestellt werden, um den Abverkauf zu gewährleisten.


Das Lebensmittelhandwerk, die ökologische und regionale Erzeugung und Verarbeitung sowie örtliche Marktstrukturen sind zu fördern. Das vermindert auch die Vernichtung von Lebensmitteln durch weite Transportwege und hohen Lagerungsaufwand im globalisierten Handel.
Güteklassen und Vermarktungsnormen sind aufzuheben. Wo Kundinnen und Kunden Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Eier einzeln auswählen und auf ihre Qualität prüfen können, ist eine Klassifizierung nicht nötig.

Essen und der Zugriff auf Lebensmittel als grundlegendes Bedürfnis darf durch die Lebensmittelindustrie und den Handel nicht missbraucht werden. Werbung muss genauer auf „legale“ Irreführung und Täuschung hin untersucht werden. Werbeaussagen, die sich verdeckt oder unmittelbar an Kinder richten sind ganz zu untersagen.

Der Handel muss für ablaufende Lebensmittel zu dem Prinzip „verkaufen, verbilligen, verschenken“ verpflichtet werden. Dazu kann der Preis mittels Barcode so gesteuert werden, dass an der Kasse kurz vor Ablauf der Mindesthaltbarkeit automatisch ein geringerer Preis ausgewiesen wird.

Abgelaufene aber genießbare Waren sind an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, gemeinnützige Einrichtungen oder interessierte Einzelpersonen kostenfrei weiterzureichen. Es bedarf der Umkehr der Rechtslage: Statt das „Containern“, also das Fischen nach essbaren Lebensmitteln aus dem Müll, als Straftat zu verfolgen, sollte das unmittelbare Entsorgen von Lebensmitteln ohne den nachweislichen Versuch diese weiterzureichen geahndet werden.

Die Gastronomie soll angehalten werden für jedes Gericht bedarfsgerechte Portionen in unterschiedlichen Größen anzubieten. Der Staat muss aber auch die haftungsrechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen, damit die Gastronomie Lebensmittelüberschüsse an soziale Einrichtungen oder interessierte Einzelpersonen weiterreichen kann.